02.11.2023
Das NFL Power Ranking von kicker-Experte Adrian Franke
Die NFL steht kurz vor der Saison-Halbzeit, und das Bild wird klarer: Welche Teams sind echte Titelanwärter? Wo steht bereits der nächste Draft im Fokus? Und welche Teams dürfen noch hoffen? kicker-Experte Adrian Franke zieht sein Zwischenfazit und sortiert alle 32 Teams ein.

32. Las Vegas Raiders (Record: 3-5)
Ranking nach Week 4: 29.
Die Raiders waren noch vor wenigen Tagen für mich das klarste Team, das einen Cut und einen Neustart braucht. Der ist mit der Entlassung von Head Coach Josh McDaniels und GM Dave Ziegler eingeleitet worden, umso mehr hätte ich mir für die Raiders gewünscht, dass man zur Trade-Deadline Spieler abgibt und Draft-Kapital sammelt.
Denn die Raiders stehen vor einem Rebuild, das steht außer Frage. Dieser Kader wird nirgendwo hin gehen, nicht mit all den Baustellen in der Defense, dem Talent-Defizit in der Offensive Line und der Quarterback-Situation. Garoppolo ist bestenfalls eine Übergangslösung, Aidan O'Connell zu testen ist völlig legitim, macht eine optimistische Prognose aber zumindest kurzfristig noch schwieriger.
Eigentlich sollte Las Vegas zumindest genügend Starpower haben - Maxx Crosby und Davante Adams allen voran - um sich respektabler zu präsentieren. Doch zuletzt wirkte dieses Team leblos. Vielleicht ändert sich das nach der Entlassung von McDaniels ja.
31. Carolina Panthers (1-6)
Ranking nach Week 4: 31.
Womöglich war der Sieg gegen Houston ja so etwas wie eine kleine Initialzündung, in jedem Fall war es nach dem Play-Caller-Wechsel ein positiver Auftritt der Passing-Offense im ersten Spiel nach der Bye.
Das ist für mich auch die interessanteste Storyline rund um die Panthers für die zweite Saisonhälfte: Können sie darauf aufbauen? Kann Bryce Young Fortschritte zeigen? Das würde Carolina mit einem gänzlich anderen Gefühl in die Offseason schicken, als das Gefühl, mit dem man in die Bye Week ging.

Brian Burns und Derrick Brown spielen auf der defensiven Seite derweil eine gute Saison - doch das reicht nicht, um eine Defense zu tragen. Die Run-Defense ist mit Abstand die schlechteste in der NFL, während auf dem zweiten und dritten Level der Defense konstant Starter fehlen.
Es ist eine undankbare Saison in Carolina, für alle Beteiligten. Und die Tatsache, dass der Pick, den man im kommenden Draft nach Chicago schickt, der Nummer-1-Overall-Pick sein könnte, macht diese Erkenntnis nicht gerade angenehmer.
30. Chicago Bears (2-6)
Ranking nach Week 4: 32.
Wenn man mit ein bisschen gutem Willen drauf schaut, dann kann man bei den Bears tatsächlich kleine Fortschritte erkennen. Zumindest in der Defensive: Etwa bei DeMarcus Walker und Gervon Dexter in der Defensive Line. Jetzt kommt hier Montez Sweat mit dazu, und plötzlich ist das keine so schlechte Unit mehr. Die Secondary aber ist das Prunkstück, und das noch dazu besetzt mit durch die Bank weg jungen Spielern. Hier ist tatsächlich eine Gruppe, auf der die Bears aufbauen können.
Offensiv ist die Konversation eine andere. Justin Fields hat jetzt zwei Spiele mit einer Daumenverletzung verpasst und wird mindestens noch ein Mal fehlen, und Tyson Bagent hat in Fields’ Abwesenheit keineswegs Bäume ausgerissen - aber zu sehen, dass der Division-2-Undrafted-Rookie-Quarterback den Quick-Game-Part der Offense funktional umsetzen kann, stärkt die Fields-Argumente zumindest mal nicht gerade. Trotzdem ist klar, dass Bagent nicht mehr als ein Kurzpass-Ballverteiler ist, was für sich dann wieder andere Limitationen mitbringt.
Die Offensive Line ist nach wie vor nicht gut, im Backfield sind die Bears angeschlagen. Fields wäre es zu wünschen, dass er noch eine Chance bekommt, sich über die zweite Saisonhälfte zu zeigen. Doch sollte Chicago den Nummer-1-Pick haben - im Zweifelsfall durch die Panthers - sehe ich so oder so kein Szenario, in dem die Bears an Fields festhalten. Dann wird ein neuer Quarterback kommen.
29. Arizona Cardinals (1-7)
Ranking nach Week 4: 28.
Die Cardinals sind zur Saison-Mitte doch näher an dem Punkt angekommen, an dem sie viele vor der Saison erwartet hatten. Arizona ist zwar kein chancenloses Team, das in einer eigenen NFL-Tier-Kategorie angesiedelt werden müsste. Dafür spielen die Cardinals defensiv mit zu viel Einsatz, dafür laufen sie den Ball offensiv zu gut und dafür machen sie es auch als klarer Außenseiter ihren Gegnern zumindest für eine Halbzeit und manchmal auch darüber hinaus schwer.
Aber in der Regel wird im Laufe der zweiten Hälfte der Talent-Unterschied dann doch zu deutlich sichtbar, insbesondere in puncto Pass Rush und Quarterback-Play, und dann verliert man eben die Spiele. Josh Dobbs spielte, gemessen an den Erwartungen, soweit solide, aber das Passing Game ist zuletzt mehrfach eingeknickt. Arizona ließ ihn zur Trade-Deadline gehen und nimmt in Kauf, dass womöglich Rookie Clayton Tune am Sonntag gegen Cleveland für ein Spiel startet.
Die Rückkehr von Kyler Murray aber steht unmittelbar bevor, und wenn das passiert, wird es spannend sein zu sehen, wie die weitere Weichenstellung für diese Franchise aussieht. Arizona war jetzt regelmäßig lange in Spielen noch drin, kann man diese Partien mit Murray gewinnen? Dann wird die Diskussion, ob man im kommenden Draft einen neuen Quarterback picken sollte, gar nicht erst aufkommen - denn dann sollte Arizona auch außerhalb der Top-3 picken. Picken die Cardinals dagegen trotz Kyler Murray ganz oben, erwarte ich, dass es, ähnlich wie in Chicago im gleichen Szenario, auf einen neuen Quarterback hinausläuft.
28. New York Giants (2-6)
Ranking nach Week 4: 30.
Ja, Gegner spielen eine Rolle und ja, die eigene Offensive Line war endlich mal ein wenig besser. Aber es kann kein gutes Gefühl für die Giants-Verantwortlichen sein, zu sehen, dass die Offense mit Tyrod Taylor zumindest mal nicht schlechter und mitunter sogar besser aussieht als mit Daniel Jones.
Gleichzeitig ist es eben fair, einzuwerfen, dass eine wirklich vernünftige Bewertung von Jones oder der Offense insgesamt in den ersten Spielen häufig kaum möglich war. Das wiederum unterstreicht, dass die Giants die vergangene Offseason vermutlich nicht ganz ideal angegangen sind, inklusive des Jones-Vertrags.
Was man aber festhalten muss, ist, dass die Defense sich ganz klar gefangen hat, angefangen mit der Front. Dexter Lawrence spielt ohnehin auf einem sehr hohen Level, aber auch ein Spieler wie Kayvon Thibodeaux schien sein Tief aus der Anfangsphase der Saison zuletzt überwunden zu haben. Und die Offensive Line sollte jetzt endlich gesünder werden, während Jones ebenfalls zurückkommt.
Das gibt New York wieder etwas mehr Luft, gleichzeitig haben die Giants zur Trade-Deadline zumindest angedeutet - dass man in dieser Situation an einem Spieler wie Saquon Barkley festhält, verstehe ich zugegebenermaßen nicht -, dass sie von dieser Saison nicht mehr allzu viel erwarten. Zurecht.
27. New England Patriots (2-6)
Ranking nach Week 4: 23.
Was war diese Mac-Jones-Phase jetzt? War es ein Durchhänger? War er für ein paar Wochen einfach mental komplett von der Rolle?
Aber fast noch wichtiger: Ist er jetzt wieder der Quarterback, der er eigentlich zu Saisonbeginn schon war? Denn dann kann diese Offense durchaus effizient sein.

Die Line scheint sich zu finden, das sorgt für zusätzliche Stabilität. Und dann reden wir hier immer noch nicht über eine Top-10-Offenes, aber zumindest über eine funktionale Unit.
Die Defense ist ohne Matt Judon und Christian Gonzalez natürlich geschwächt, aber die Front ist immer noch gut und die Defense kann die Patriots in Spielen halten - sofern die eigene Offense mitmacht. Das scheint mittlerweile wieder eher denkbar, aber selbst dann sind die Patriots dieses Jahr nicht mehr als bestenfalls unteres Mittelmaß.
26. Green Bay Packers (2-5)
Ranking nach Week 4: 18.
Ich hatte Green Bay vor der Saison vergleichsweise positiv gesehen. Dass die junge Offense ihre Höhen und Tiefen haben würde, das war absehbar - inklusive Jordan Love in seinem ersten Jahr als Starter.
Ich dachte, dass die Offensive Line für Stabilität sorgen würde, genau wie die Defensive Front und das offensive Play-Calling. Bislang trifft nichts davon zu. Die Offensive Line musste schon mehrfach umgebaut werden und ist in der Folge wackeliger als gedacht, in der Defensive Front wird einzig Rashan Gary den Erwartungen gerecht.
Und Matt LaFleurs Offense wird zwar teilweise durch die eigenen Spieler sabotiert, aber es sind auch nicht wenige Plays, bei denen die Offense nicht genug schematisch kreiert. Von den geskripteten Plays kommt ebenfalls viel zu wenig, Green Bay startet dieses Jahr notorisch langsam, und das ist noch freundlich ausgedrückt. Abgesehen von Aaron Jones fehlen auch individuell die Playmaker, die verlässlich Matchup-Probleme kreieren.
Ich will keineswegs ausschließen, dass LaFleur, Love und die Offense in der zweiten Saisonhälfte einen Groove finden und in fünf Wochen das Narrativ ganz anders aussieht. Im Moment vertraue ich der Offense aber nicht, ich vertraue nicht darauf, dass Love Woche für Woche genügend Würfe trifft und ich vertraue nicht darauf, dass die Defense das Team auch nur übergangsweise tragen kann.
25. New York Jets (4-3)
Ranking nach Week 4: 27.
Es würde mich weiterhin sehr wundern, wenn Aaron Rodgers im Laufe dieser Saison sein Comeback geben würde. Und ich halte es auch für gut möglich, dass die Jets schlicht nicht mehr relevant im Play-off-Rennen sind, bis ein solches Comeback überhaupt ansatzweise denkbar wäre, und dann hätte es sich vermutlich ohnehin erledigt.
Was ich aber sagen muss, ist, dass das ein unangenehmes Team ist, auch weil die Offense zuletzt - abgesehen von diesem in jeder Hinsicht absurden Giants-Spiel - zumindest so etwas wie eine Art Floor hatte. Zach Wilson war zuletzt stabiler, wenngleich das Spiel gegen die Giants eine klare Erinnerung daran war, wie brüchig das alles ist, angefangen mit der Offensive Line.
Ist die Offense aber halbwegs passabel, kann das zu überraschenden Siegen wie jenem gegen die Eagles führen, wenn die Defense ein starkes Spiel abliefert und Turnover produziert, und die Offense eben "gerade genug" macht. Diese Formel macht die Jets potenziell unangenehm, auch weil sie eben die meisten gegnerischen Offensive Lines vor Probleme stellen können. Aber mehr als einen "unangenehmen Gegner" sehe ich für den Rest der Saison eher nicht.
24. Minnesota Vikings (4-4)
Ranking nach Week 4: 15.
Eigentlich war ich bereit, die Vikings irgendwo zwischen Platz 12 und 15 zu ranken, mit einer realistischen Chance auf eine Wildcard in der NFC. Die Rückkehr von Justin Jefferson ist wieder in Sichtweite, Kirk Cousins hat bis dato auf einem sehr hohen Level gespielt, der Sieg gegen die 49ers war ein echtes Ausrufezeichen und gegen die Packers erledigte man eine Division-Auswärtsaufgabe auch ohne Jefferson bemerkenswert souverän.
Dieses Team, zumindest mit Jefferson wieder zurück, war für mich nicht schlechter als die Vorjahres-Version, die 13 Spiele gewonnen hat. Die Vikings haben eine gute Offensive Line und ein sehr gutes Tackle-Duo, sie haben einen der besten Receiver in der NFL einen guten Tight End und einen spannenden Rookie-Nummer-2-Receiver.
Die Verletzung von Cousins wirft all das natürlich über den Haufen. Minnesota hat kein gutes Run Game, Cousins war ein maßgeblicher Treiber dieser Offense. Das können die Vikings nicht kompensieren - kommt Justin Jefferson jetzt überhaupt zurück? Gibt man die Saison jetzt mehr oder weniger auf und lässt Jaren Hall und vielleicht noch Josh Dobbs die ausstehenden Spiele einfach über die Bühne bringen?
Es ist für alle Beteiligten ein maximal bitterer Verlauf. Für Cousins, der Free Agent wird, und für ein Vikings-Team, das defensiv besser spielt als gedacht und das mit einer guten Offense ein unterhaltsames Wildcard-Team hätte sein können.
23. Washington Commanders (3-5)
Ranking nach Week 4: 16.
Washington hat mit der Trade-Deadline unmissverständlich klar gemacht, dass hier ein Umbruch eingeleitet wird.
Dass sowohl Chase Young, als auch Montez Sweat abgegeben wurden, unterstreicht, dass man sich neu aufstellen wird, und das rückt auch die restliche Saison im Hier und Jetzt in ein klar anderes Licht.
Damit lautet die nächste Frage: Wie lange dauert es noch, bis die Verantwortlichen in Washington die nächste große Reißleine ziehen?

Das wäre - bevor es an Entlassungen geht - die Quarterback-Karte: Sam Howell zu benchen und ihn durch Jacoby Brissett zu ersetzen, könnte der Offense tatsächlich mehr Stabilität verleihen. Es wäre dann im Vergleich eine sehr kurzfristig ausgerichtete Entscheidung, aber den Luxus, langfristig zu denken, haben Ron Rivera und Co. vermutlich schon nicht mehr.
Die Probleme bei den Commanders allerdings gehen tiefer, als der Fünftrunden-Quarterback in seiner ersten Saison als Starter. Die Front, in der all die Ressourcen stecken, war schon vor den Trades nicht so dominant, wie sie es sein sollte. Die Secondary wackelt und das dürfte jetzt umso schlimmer werden. Der Offense fehlen manchmal die Antworten, manchmal ist es Howell, der Plays keine Chance gibt.
Das Gesamtkonstrukt funktioniert nicht, und ich sehe auch keine wirklich nachhaltige Korrektur, die jetzt kurzfristig umsetzbar wäre.
22. Denver Broncos (3-5)
Ranking nach Week 4: 25.
Also doch kein Rebuild in Denver. Es wäre spannend, zu wissen, inwieweit die Broncos eine andere Strategie verfolgt hätten, hätte man nicht im letzten Spiel vor der Trade-Deadline die Chiefs geschlagen. Das allerdings bleibt ein rein theoretisches Gedankenspiel, stattdessen steht jetzt in erster Linie die Frage im Raum: Was ist noch möglich für die Broncos in dieser Saison?
Ich bleibe dabei, dass die Offense gute Ansätze zeigt. Phasenweise nur, aber man konnte die Handschrift von Sean Payton im Passing Game sehen, Russell Wilson war merklich besser als letztes Jahr - es war aber eben noch nicht konstant. Gegen Kansas City kam das Run Game mal wieder als tragende Säule zurück, und ich denke, das werden wir in der zweiten Saisonhälfte noch häufiger sehen.
Die Defense ist nicht gut, auch hier aber haben sich nach dem ersten Saisonviertel die Dinge ein wenig stabilisiert. Denver wird am Ende nichts mit den Play-offs zu tun haben, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Broncos mit einer soliden zweiten Saisonhälfte aus der Saison gehen, und dann zwar einige Dinge verändern, aber der radikale, absolute Rebuild eher ausbleibt.
21. Indianapolis Colts (3-5)
Ranking nach Week 4: 20.
Mit dem vorzeitigen Saisonaus von Anthony Richardson hat diese Colts-Saison einiges an Brisanz verloren - auch wenn Gardner Minshew alles gibt, um plötzlich den Gunslinger zu geben und seinerseits designte QB-Runs in die Endzone trägt. Sein Spiel ist im Zuge dessen aber auch deutlich fehleranfälliger geworden.
Die Offensive Line ist noch inkonstant auf den Tackle-Positionen, allen voran Blake Freeland als Back-up auf Right Tackle war zuletzt mehrfach problematisch. Und die Defense ist auf Corner zu jung und zu anfällig, und in der Defensive Line gut, aber nicht herausragend.
Ich sehe dieses Team perspektivisch sehr positiv. Wegen Anthony Richardson, wegen Shane Steichen, wegen jungen Spielern wie Rookie-Receiver Josh Downs. Aber die laufende Saison ist längst eher überschaubar in puncto nachhaltiger Takeaways.
20. Tennessee Titans (3-4)
Ranking nach Week 4: 19.
Die Titans haben uns mit dem Trade von Kevin Byard gezeigt, wie sie selbst ihre Saison sehen: Die Zeit für zumindest einen soften Umbruch ist gekommen, das Thema der zweiten Saisonhälfte sollte sein: Ist der Quarterback für die Zeit nach dem Umbruch auch schon im Kader?
Ryan Tannehill hat jetzt erneut mit einer Knöchelverletzung gefehlt, wie schon im vergangenen Jahr - und Tannehills Vertrag läuft ohnehin aus. Will Levis hatte ein spektakuläres Debüt, inwieweit kann er darauf aufbauen? Das ist die einzig wirklich relevante Story rund um Tennessee für den Rest dieser Saison.

Dass die Titans überhaupt diesen Weg einschlagen, hatte ich unter Mike Vrabel ehrlicherweise nicht erwartet, sehe Tennessee damit aber auf dem richtigen Weg. Das Fenster für dieses Team war schlicht abgelaufen, und auch die versuchten Veteran-Umbaumaßnahmen in der Offensive Line in der vergangenen Offseason waren bisher nicht von Erfolg gekrönt.
Die Defensive Line ist immer noch sehr gut und kann Spiele prägen, aber es ist auch zunehmend das letzte verlässliche Überbleibsel der Titans-Hochphase. Jetzt gilt es, über die restliche Saison herauszufinden, was genau man in Will Levis hat und wie schnell die Kurve wieder nach oben führen kann.
19. New Orleans Saints (4-4)
Ranking nach Week 4: 21.
Dass die Saints tatsächlich mit Derek Carr ihren All-In-Ansatz fortsetzen wollten, unterstreicht, wie sehr diese Idee des jährlichen Play-off-Angriffs ohne Franchise-Quarterback in New Orleans mittlerweile an die Wand gefahren wurde - und wie sehr sie die eigene Zukunft weiter verbauen.
Zugegebenermaßen hätte ich allerdings auch nicht erwartet, dass das so in die Hose gehen würde. Vor allem nicht so schnell. Selbst wenn man - wie ich - Carr über die letzten Jahre als Mittelfeld-Quarterback betrachtet hat, spielt er jetzt nochmal deutlich schlechter als das.
Das eliminiert die Möglichkeiten, die mit diesem Waffenarsenal theoretisch da wären - gegen Indianapolis war das am Sonntag endlich mal anders -, und durch die wacklige Offensive Line werden Carrs Schwachstellen umso stärker in den Vordergrund gerückt.
Die Defense ist immer noch sehr gut, insbesondere die Secondary macht viel Spaß. Die Front hat die erwartbaren Schwierigkeiten, schlecht ist sie aber keineswegs. An der Defense liegt es nicht, dass die Saints im Moment nur wie das drittbeste Team in einer überschaubaren NFC South wirken.
18. Tampa Bay Buccaneers (3-4)
Ranking nach Week 4: 13.
Der sehr positive Start in die Saison hat die Wahrnehmung mit Sicherheit ein wenig getrübt, und zur Saison-Mitte sind die Buccaneers wieder mehr auf dem Boden der Realität angekommen.
Gegen die Top-Teams, mit denen man es bisher zu tun hatte - Philadelphia, Detroit und dann am vergangenen Donnerstag Buffalo - war man vergleichsweise chancenlos, auch wenn es gegen die Bills ganz am Ende nochmal eng wurde. Gegen Atlanta verlor man ein packendes Spiel, das aber vor allem eng wurde, weil Atlanta den Ball mehrfach vor der Endzone weg fumbelte.
Ich denke nach wie vor, dass Tampa Bay mit seiner Defensive Front, einer guten Secondary - insbesondere Antoine Winfield ist in All-Pro-Form - und den offensiven Waffen in der eigenen Division bis zum Ende relevant sein kann. Und um den dritten Wildcard-Spot in der NFC reißen sich die Teams bisher nicht wirklich.
Aber selbst falls es am Ende für die Postseason reicht, bleibt die Perspektive wichtig, auch mit Blick auf mögliche Schlussfolgerungen in der kommenden Offseason: Es ist ein Übergangsjahr, inklusive Übergangs-Quarterback.
17. Pittsburgh Steelers (4-3)
Ranking nach Week 4: 26.
Das vielleicht kurioseste Team dieser Saison. Die Spiele der Steelers laufen dabei Woche für Woche fast gleich ab: Man scheint unterlegen zu sein - oder geht auch schon als Außenseiter in die Partie -, und über weite Teile macht die eigene Offense nichts, der Gegner zieht aber auch nicht so richtig davon. Dann macht die Defense - vorzugsweise T.J. Watt - ein kritisches Play, plötzlich legt die Offense - vorzugsweise George Pickens - ihrerseits ein paar Big Plays und plötzlich führen die Steelers spät im vierten Viertel.
Das war jetzt überspitzt formuliert, aber auch nicht allzu weit weg von der Realität und das macht es so schwer, dieses Team vernünftig einzuschätzen oder gar zu prognostizieren.
Also, was sind die Steelers? Die Steelers sind ein Team, das qualitativ im Liga-Mittelfeld einzusortieren ist, mit der statischen, unkreativen Offense als Downgrade davon. Doch solange die Playmaker da sind und Plays machen, kann Pittsburgh jede Woche überraschen und oberhalb der eigenen Gewichtsklasse boxen.
16. Houston Texans (3-4)
Ranking nach Week 4: 17.
Die Niederlagen gegen Atlanta und Carolina waren beide jeweils denkbar knapp, zwei Punkte betrug die Differenz am Ende in beiden Spielen.
Dementsprechend ist mein Optimismus, den ich bei den Texans und spezifisch auch bei C.J. Stroud nach den ersten vier Spielen hatte, keineswegs verflogen.
Gleichzeitig waren das zwei Spiele, die unterstreichen, dass die Texans eben noch kein verlässliches, kein konstantes Team sind.

Aber das ist auch absolut in Ordnung, im ersten Jahr mit neuem Head Coach, einem Rookie-Quarterback, einer jungen Receiver-Gruppe und einer Offensive Line, die lange auf zahlreiche Starter verzichten musste.
Mein Ausblick generell für Houston ist weiter sehr positiv. Vermutlich werden die Texans dieses Jahr in der umkämpften AFC letztlich nichts mit den Play-offs zu tun haben. Aber das ist ein gut gecoachtes Team, das längst noch nicht sein Potenzial ausgeschöpft hat.
15. Los Angeles Rams (3-5)
Ranking nach Week 4: 14.
Nicht ganz einfach, die Rams nach der Fingerverletzung von Matt Stafford gerade einzuordnen. Gegen Dallas bekam man auf allen Ebenen klar die Grenzen aufgezeigt, und die Cowboys sind auch mindestens eine, eher zwei Kragenweiten über den Rams und das ist auch komplett in Ordnung.
Ich denke auch nicht, dass die Rams gut genug sind, um im Januar einen echten Play-off-Run hinzulegen. Aber ich denke, dass L.A. in Bestbesetzung genug offensive Feuerkraft hat, Matt Stafford gut genug spielt und die Defense gut genug gecoacht ist, dass die Rams absolut ein Kandidat für die dritte NFC-Wildcard sind.
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Wenn die Offense ins Rollen kommt, macht es dieses Jahr jede Menge Spaß, den Rams zuzuschauen. Der Ertrag passt hier teilweise nicht zu dem, was sie eigentlich aufs Feld bringen, aber das macht meine Prognose für die zweite Saisonhälfte nicht negativer. L.A. kann bis zum Schluss um die finale Wildcard mitspielen.
14. Atlanta Falcons (4-4)
Ranking nach Week 4: 24.
Desmond Ridder bleibt für meinen Geschmack noch immer zu unberechenbar für einen Quarterback, dessen erste Aufgabe in dieser Offense ein fehlerfreies Spiel sein sollte. Aber er hat sich ohne Frage verbessert und er gibt der Offense die notwendige Dimension im Passing Game - umso dringender notwendig, weil das Run Game zuletzt häufiger etwas durchwachsen war.
Durch Ridders Verletzung haben wir jetzt auch mal Taylor Heinicke in der Offense gesehen, und das sah nicht schlecht aus! Arthur Smith sieht das offenbar ähnlich, zumindest hat er am Mittwoch angekündigt, dass Heinicke am kommenden Sonntag starten wird. Direkt nach dem vergangenen Spiel, als Ridder auf eine Gehirnerschütterung untersucht und freigegeben wurde, allerdings nicht ins Spiel zurück kam, hatte Smith noch betont, dass er nur vorsichtig sein wollte und dass es keine leistungsbezogene Entscheidung war.
Wenn das Passing Game, egal mit welchem Quarterback, wenigstens funktional ist, gibt das den Falcons die Chance auf eine relativ komplette - im Sinne von ausgeglichene - Offense. Das in Kombination mit den individuellen Playmakern sowie einer guten Defense, die an der Line of Scrimmage gewinnt und dahinter Man Coverage spielen kann, macht Atlanta inzwischen vielleicht sogar zum Favoriten auf die überschaubare NFC South.
13. Cleveland Browns (4-3)
Ranking nach Week 4: 12.
Mit dieser Defense werden die Browns noch lange in dieser Saison relevant sein - und vielleicht sogar bis in die Play-offs klettern. Myles Garrett spielt eine Defensive-Player-of-the-Year-Saison, die Secondary ist stark, die Defensive Line insgesamt ist dominant gegen den Run und Jim Schwartz holt gerade das Maximum aus dieser Unit heraus.
Die Browns sind defensiv stark genug, um auch gegen Top-Offenses das Spiel eng zu halten, wie etwa gegen San Francisco vor einigen Wochen. Aber selbst in dieser NFL-Saison, in der Defenses ohne Frage Boden gutgemacht haben und Offenses nicht so dominieren, ist es schwer, auf diese Art und Weise nachhaltig zu gewinnen.
Somit kommt man unweigerlich auf die Schulter von Deshaun Watson zurück. Und auf die Frage, ob Watson und Kevin Stefanski wirklich zusammen funktionieren. Und auf die Frage, ob die Offense mit diesen möglichen Sollbruchstellen sowie ohne Nick Chubb genügend verlässliche Feuerkraft hat. Auf die Frage, wann Watson überhaupt wieder spielt.
Die gute Nachricht ist, dass Cleveland durch den Spielraum, den die eigene Defense bietet, noch ein wenig Zeit hat, um sich auf der offensiven Seite des Balls zu finden.
12. Los Angeles Chargers (3-4)
Ranking nach Week 4: 8.
Die Niederlage gegen Kansas City letzte Woche hat unterstrichen, dass die Chargers doch noch ein ganzes Stück von der AFC-Spitze entfernt sind. Diesem Kader fehlt es an Tiefe, die Defense ist einmal mehr enttäuschend und die Offense funktioniert nur, wenn Justin Herbert und Keenan Allen sie tragen. Herbert hatte zuletzt einige schwächere Spiele - oder eher: schwächere Phasen in Spielen -, und prompt knickte die Offense ein.
Das beschreibt einige der Probleme, welche die Chargers haben, generell ganz gut: Ein inkonstantes Team mit wenig Spielraum für Fehler, dessen Stars aber dieses Jahr unter ihren Möglichkeiten spielen. Herbert ist hiermit übrigens nur sehr bedingt gemeint; eher Derwin James, Joey Bosa, Khalil Mack, unter anderem. Und den Ausfall von Mike Williams kann man ebenfalls nicht wirklich kompensieren, gegen Chicago etwa gewann man souverän, aber mit einer Lombardiesken Kurzpass-Offense.
Die bittere Realität dieser eigentlichen All-In-Chargers-Saison ist damit in der Schlussfolgerung: Das ist in der Summe ein Team, das gut spielen kann, das aber nicht robust genug für einen Play-off-Run ist. Und der Umbruch allein mit Blick auf Alters- und Cap-Struktur des Kaders steht unweigerlich bevor.
11. Detroit Lions (6-2)
Ranking nach Week 4: 9.
Je länger diese Saison geht, desto mehr sehe ich Detroit als Team in einem klar definierten Raum.
Man könnte mir einen glaubhaften Case präsentieren, wonach die Lions an die Spitze des zweiten NFC-Tiers - für mich sind das die Cowboys, Seahawks und eben Detroit - gehören. Man könnte mir einen glaubhaften Case präsentieren, wonach sie das schlechteste Team dieser Gruppe sind; hier habe ich sie aktuell, in erster Linie, weil Dallas und Seattle gerade etwas besser in Form zu sein scheinen. Doch das ist sehr flexibel.
Wovon man mich aber vermutlich nicht überzeugen kann, ist, dass Detroit ins dritte Tier nach unten, oder in die oberste Gruppe zu den 49ers und Eagles gehört. Detroit ist ein gutes Team, ein sehr gutes sogar. Ich kann mir nicht nur den Division-Titel, sondern auch einen Play-off-Sieg absolut vorstellen.
Aber für mehr fehlen mir die High-End-Difference-Maker neben Hutchinson und St. Brown, und die Verletzungen in der Secondary machen das nicht leichter.
10. Seattle Seahawks (5-2)
Ranking nach Week 4: 11.
Der Verlust von Uchenna Nwosu tut auf jeden Fall weh, und auch wenn ich verstehe, was Seattle mit dem Trade für Leonard Williams erreichen will: Ich hätte mir noch eine Edge-Verstärkung gewünscht. Trotzdem sollte das eine gute Defense sein, allein, weil die Secondary jede Menge Spaß macht.
Auf der Seite des Balls sollte Seattle das ganze Jahr über ein unangenehmes Team bleiben können, und offensiv habe ich nach wie vor den Eindruck, dass wir die beste Version dieses Teams noch gar nicht gesehen haben.

Geno Smith spielt eine gute Saison, die Offensive Line war lange angeschlagen - und ist es immer noch, aber bei Abe Lucas weiß ich nicht, wann wir ihn wirklich zurück erwarten können - und spielt dennoch gut. DK Metcalf hat zuletzt gefehlt, derweil hat Jaxon Smith-Njigba ein wenig Anlaufzeit gebraucht, kam zuletzt aber besser rein.
Es ist nicht mehr die Big-Play-Offense aus dem Vorjahr, aber Seattle bewegt anderweitig den Ball - und die Big Plays können jederzeit auch wieder kommen. Ich traue Seattle mindestens einen Sieg auch in den Playoffs zu.
9. Cincinnati Bengals (4-3)
Ranking nach Week 4: 22.
Hier ist natürlich eine gehörige Portion Prognose mit dabei, aber ich denke, das ist auch der einzig sinnvolle Weg, um die Bengals zur Saison-Mitte zu ranken. In die Bye Week hat man sich mit 3-3 geschleppt, aber insbesondere die ersten drei, vier Spiele, als Joe Burrow ganz klar sichtbar nicht fit war, sind für die weitere Bewertung dieses Teams mehr oder weniger nutzlos.
Denn Burrow ist wieder fit, und wir sehen, zu was diese Offense in der Lage ist, wenn sie im Kurzpassspiel variabel auftreten kann, wenn sie die Playmaker in Szene setzen kann und wenn sie dann sogar den Ball laufen kann, wie am Sonntag gegen San Francisco.
Das heißt nicht automatisch, dass die Bengals damit direkt wieder ein Titelkandidat sind. Dafür habe ich doch zu große Fragezeichen hinter der Offensive Line und hinter der Secondary auf der defensiven Seite des Balls. Aber ich bin zunehmend zuversichtlich, dass Cincinnati als Team insgesamt bis zu den Play-offs wieder auf Hochtouren laufen könnte.
8. Dallas Cowboys (5-2)
Ranking nach Week 4: 6.
Der frustrierendste Punkt mit den Cowboys ist, dass es so schwer fällt, sich den Best Case für dieses Team über einen längeren Zeitraum vorzustellen.
Kann die Defense in jedem beliebigen Spiel auf Elite-Level spielen? Ja, auch wenn hierbei bestimmte Matchups ohne Trevon Diggs deutlich schwieriger werden, die Linebacker anfällig sein können und Dallas nicht jedes Spiel mit seinem Pass Rush diktieren kann.
Offensiv braucht es noch mehr Vorstellungskraft. Wenn die Line in Bestbesetzung ist, die Receiver außerhalb von CeeDee Lamb relevant eingebunden sind und Dak fehlerfrei spielt, ist Dallas nah dran an den Titelanwärtern. Das war gegen die Rams zu sehen, nachdem Dak im Spiel davor gegen die Chargers bereits sehr gut gespielt hat.
Aber wie sehr will man sich darauf verlassen? Die Cowboys sind ein gutes Team, phasenweise sehr gut, aber phasenweise auch frustrierend statisch, inkonstant und mit zu wenigen Lösungen für verschiedene Probleme.
Das macht es schwer, Dallas einen tiefen Playoff-Run zu prognostizieren. Auch wenn die Qualität im Team dafür eigentlich da ist.
7. Jacksonville Jaguars (6-2)
Ranking nach Week 4: 10.
Jacksonville hat jetzt fünf Spiele in Serie gewonnen, davon zwei in London und zwei weitere auswärts in New Orleans und in Pittsburgh. Ich halte auch sehr viel von Trevor Lawrence, und trotzdem bin ich noch ein wenig unsicher, wo genau ich dieses Team sehe.
Das liegt vermutlich an zwei Dingen: Das Passing Game wirkt immer noch ein wenig inkonstant und hier hatte ich angesichts des Quarterbacks, des Play-Callers und der Verpflichtung von Calvin Ridley wahrscheinlich einfach auch mehr Feuerwerk erwartet.
Das andere Thema ist der Pass Rush. Jacksonville hat eine sehr gute Secondary, insbesondere Tyson Campbell - wenn er dann bald zurückkehrt - und Darious Williams sind vielleicht das am meisten unterschätzte Cornerback-Duo in der NFL. Es ist vor allem der zweite Pass-Rush-Spot, der mir hier Bauchschmerzen bereitet, und da hätte ich mir gewünscht, dass Jacksonville zur Trade-Deadline nochmals aktiv geworden wäre.
Das könnte in den Play-offs dann ein sehr relevantes Thema werden. Doch für den Moment sehe ich ein junges Team mit einer sehr guten Run-Defense und einer Offense, die noch Luft nach oben hat und sich in der zweiten Saisonhälfte steigern kann. Die Play-offs sollten frühzeitig klar sein, spannend ist, was darüber hinaus für Jacksonville möglich sein wird.
6. Buffalo Bills (5-3)
Ranking nach Week 4: 2.
Sind die Bills jetzt ein Top-Team, das Teams aus dem Mittelmaß und darunter wie die Raiders, Commanders oder zuletzt die Buccaneers, deutlich schlagen kann? Sind sie ein Elite-Team, das die Dolphins dominiert? Oder sind sie doch die Achterbahn von einem Team, das gegen die Patriots oder Jets patzt?
Die Antwort ist vermutlich: Letzteres. Und ich denke, die Achterbahn könnte noch extremer werden: Josh Allen kann heißlaufen, wie es ansonsten nur Patrick Mahomes kann. Er hat immer noch einen Elite-Receiver in Stefon Diggs, und gegen die Bucs war zu sehen, was passiert, wenn Gabe Davis und andere Receiver aus der zweiten und dritten Reihe gut spielen.
Gleichzeitig weiß ich nicht, wie sehr man der Defense nach all den Ausfällen - unter anderem Tre'Davious White, DaQuan Jones, Matt Milano - vertrauen kann. Und wenn diese Seite des Balls problematisch bleibt, werden die Höhen und Tiefen der eigenen Offense eher noch schwerer ins Gewicht fallen.
All das sind viele Worte für eine einfache Prognose: Die Bills sind ein Team, das mit der offensiven Feuerkraft absolut in den Play-offs heißlaufen und einen Run hinlegen kann. Die Inkonstanz dieses Teams wird allerdings ein Thema bleiben.
5. San Francisco 49ers (5-3)
Ranking nach Week 4: 1.
Die drei Niederlagen in Serie vor der Bye waren im mindesten Falle mal eine gehörige Euphoriebremse.
Und während rund um die 49ers nach dem 5-0-Start in erster Linie darüber diskutiert wurde, ob Brock Purdy jetzt schon ein Top-10-Quarterback ist oder nicht, hat sich der Fokus der Diskussionen ganz eindeutig verschoben.
Jetzt geht es darum, ob die Defense ein so gravierendes Problem ist, dass hier womöglich tiefgreifende Änderungen her müssen.

Oder anders formuliert: Ist der Job von Defensive Coordinator Steve Wilks in Gefahr? Nach acht Spielen scheint mir das noch verfrüht, aber es steht außer Frage, dass diese Unit im Moment deutlich unter den Erwartungen spielt - und das hat mehrere Gründe, von denen die Niners einige in der Bye Week korrigieren können sollten. Und wahrscheinlich haben sie ein paar davon mit dem Trade für Chase Young sowieso schon repariert.
Ich bin vorerst weiterhin zuversichtlich, was dieses Team angeht. Defensiv fehlt - denke ich - nicht allzu viel, um sich wieder deutlich stabiler zu präsentieren, während die Offense allein durch die Comebacks von Trent Williams und Deebo Samuel ein anderes Gesicht zeigen wird. Und Purdy hatte zwar einige kostspielige Turnover, aber er hat alles in allem nicht schlecht gespielt.
4. Miami Dolphins (6-2)
Ranking nach Week 4: 5.
Dass die Defensive Line der Dolphins mittlerweile besser in die Saison gekommen ist, erleichtert eine positive Prognose für Miami. Denn als ein Team Richtung Play-offs zu gehen, das gegen Play-off-Konkurrenz nur via Shootout gewinnen kann, ist eine Formel, die sehr instabil ist und einen tiefen Play-off-Run eher unwahrscheinlich macht. Mittlerweile bin ich zuversichtlicher, dass die Defense sich weiter stabilisieren kann, und die Rückkehr von Jalen Ramsey bekräftigt das weiter.
Offensiv ist und bleibt das größte Fragezeichen die Offensive Line. Hier muss man davon ausgehen, dass Miami wacklig ist, ob aufgrund von Ausfällen oder schlicht der Qualität. Die Dolphins können einiges davon durch ihren Speed und die auf Timing ausgelegte Passing Offense kompensieren, sind damit aber gegen die Top-Teams auf ihrem bisherigen Schedule auch schon an Grenzen gestoßen.
Darum wird es in den Play-offs auch gehen, und das ist eine faire Kritik an Miamis bisheriger Saison: So dominant man gegen mittelmäßige und schlechte Gegner mitunter war, der echte Statement-Sieg fehlt bisher. Vielleicht kommt der ja am Sonntag in Frankfurt gegen die Chiefs.
3. Baltimore Ravens (6-2)
Ranking nach Week 4: 7.
Gegen die Lions konnte man zum ersten Mal sehen, zu was Baltimores Offense in der Lage ist. Wenn alle Teile funktionieren, wenn die Line hält, die Receiver die Bälle fangen - und Lamar Jackson auf MVP-Level spielt. Dieses Spiel war spektakulär, aber es kam keineswegs aus dem Nichts.
Teile davon - angefangen mit Jackson - waren regelmäßig zu sehen. Jetzt geht es darum, darauf aufzubauen und in allen Mannschaftsteilen konstanter zu werden. Aber die Zutaten sind da. Das macht Baltimore zu einem der wenigen Teams dieser Saison, dass eine Elite-Offense mit einer Elite-Defense kombinieren könnte.

Denn auf der defensiven Seite des Balls sind die Ravens spektakulär, auch weil Mike Macdonald das Maximum aus dieser Unit rausholt. Ich bin gespannt, wie weit es für Baltimore dieses Jahr geht, aber in der Prognose bin ich bei den Ravens sehr optimistisch.
2. Kansas City Chiefs (6-2)
Ranking nach Week 4: 3.
Nach der ersten Saisonhälfte scheint es relativ eindeutig: Kansas City hat dieses Jahr die beste Defense der Mahomes-Ära. Und das ist angesichts der individuellen Qualität nicht wirklich überraschend - es ist, auf allen drei Ebenen, auch die kompletteste Defense der Mahomes-Ära.
Das gibt den Chiefs viel mehr Spielraum als in vergangenen Jahren, und der war - und ist - auch notwendig, während sich nämlich die eigene Offense noch findet. Ich will noch mehr Stabilität von der Wide-Receiver-Gruppe sehen, bevor ich der Offense vollends in jeder Hinsicht vertraue. Auch die Tackle-Situation ist manchmal noch immer zu wacklig, vor allem aber sind die Receiver-Probleme so konstant zu beobachten, dass ich mir hier einen Move zur Trade-Deadline gewünscht hätte.
Aber hier ist es immer Klagen auf hohem Niveau, solange Mahomes, Travis Kelce und Andy Reid am Ruder sind.
1. Philadelphia Eagles (7-1)
Ranking nach Week 4: 4.
Ich kann mir keine Defense vorstellen, in der mir der Trade für Kevin Byard mehr gefallen hätte. Die Eagles sind nach wie vor sehr stark an der Line of Scrimmage, und zumindest wenn Slay und Bradberry fit sind, sind sie auch auf den Outside Cornerback Spots gut aufgestellt.
Das Zentrum der Defense ist schon per Roster-Building-Strategie ein Bereich, in dem Philadelphia eher schwach aufgestellt ist. Byard wird hier viele Löcher stopfen können und der Defense insgesamt mehr Stabilität verleihen.
Das gibt einem Team noch mehr Sicherheit, das ohnehin schon mit den höchsten Floor in der NFL hat. Der kommt auch durch die beste Offensive Line in der NFL, und eine Offense, die zuletzt wieder mehr auch ihre "Easy Buttons" aus der vergangenen Saison wieder gefunden hat. A.J. Brown spielt zudem eine großartige Saison und zeigt, dass er die Offense, wenn nötig, tragen kann.
Philadelphia und San Francisco bilden für mich ein eigenes Tier innerhalb der NFC, und während die Niners wackeln und dann auch verlieren, hat Philly mehrere Spiele, in denen einige Dinge nicht funktioniert haben, trotzdem für sich entscheiden können.
Adrian Franke