19.06.2026
Klares Ziel: Super Bowl
Die Detroit Lions gehen mit großen Erwartungen in die kommende NFL-Saison. Nach dem enttäuschenden Verpassen der Playoffs im Vorjahr soll die Rückkehr an die NFC-Spitze gelingen. Die Voraussetzungen dafür scheinen vorhanden.

Zwar sorgten die Lions in der Offseason weder in der Free Agency noch im Draft für die ganz großen Schlagzeilen, diese brauchte es aber auch nicht.
Statt teurer Star-Verpflichtungen setzte General Manager Brad Holmes auf gezielte Verstärkungen in den Bereichen, in denen Detroit Hilfe benötigte. Vor allem die Offensive Line, die Defensive Backs und der Edge-Rush erhielten zusätzliche Tiefe und Entwicklungspotenzial. Viele Fans sehen darin sogar eine der stärksten Offseasons des Franchise der vergangenen Jahre.
Das Verpassen der Playoffs und der letzte Platz in der NFC North lassen die Saison 2025 schlechter erscheinen, als sie eigentlich war. Tatsächlich gehörten die Lions mit einer Bilanz von 9-8 zu den stärksten Schlusslichtern einer Division der jüngeren NFL-Geschichte.
Dass es dennoch nicht für die Postseason reichte, hatte mehrere Gründe. Kurz vor Saisonbeginn verlor Detroit mit Frank Ragnow das Herzstück seiner O-Line. Gleichzeitig gingen die Lions mit zwei neuen Coordinators in die Saison. Sowohl offensiv als auch defensiv mussten sich Spieler und Trainer an neue Abläufe, Philosophien und Verantwortlichkeiten gewöhnen.
Die Folge waren ungewohnte Schwankungen. Immer wieder schlug sich Detroit selbst. Fragwürdiges Game Management, falsche Entscheidungen bei Fourth Downs und unnötige Fehler kosteten mehrere Spiele. 2026 wirkt die Ausgangslage deutlich stabiler.
Defensive Coordinator Kelvin Sheppard geht in sein zweites Jahr. Head Coach Dan Campbell lobte dessen Entwicklung erst kürzlich ausdrücklich. Zwar übernimmt mit Drew Petzing erneut ein neuer Offensive Coordinator, doch diese Seite des Balls war auch 2025 selten das eigentliche Problem.
Denn mit Jared Goff, Jahmyr Gibbs, Amon-Ra St. Brown, Jameson Williams, Sam LaPorta und Isaac TeSlaa verfügen die Lions zudem weiterhin über eine der gefährlichsten Skill-Position-Gruppen der gesamten NFL.

Die größte Sorge bleibt die Defense. Vor allem die Safety-Position wirft Fragen auf. Brian Branch arbeitet sich nach seinem Achillessehnenriss erst noch zurück, während hinter Kerby Josephs hartnäckiger Knieverletzung weiterhin ein großes Fragezeichen steht.
Der vielleicht wichtigste Faktor spricht jedoch klar für Detroit: Die Lions besitzen einen der einfachsten Spielpläne der gesamten Liga.
Der Saisonauftakt könnte kaum besser gewählt sein. Gegen die New Orleans Saints eröffnet Detroit die Spielzeit vor heimischer Kulisse. Dan Campbell trifft auf seine ehemalige Organisation und sorgt direkt für einen erfolgreichen Start in die neue Saison.
Fünf Tage später wartet allerdings die erste echte Standortbestimmung. Im Thursday Night Football reisen die Lions zu den Buffalo Bills. Diese eröffnen dabei ihr neues Stadion und gelten erneut als einer der Topfavoriten der AFC.
In einer elektrisierenden Atmosphäre kassiert Detroit seine erste Niederlage der Saison. Die Antwort fällt jedoch überzeugend aus. Gegen die Jets von Ex-Defensive-Coordinator Aaron Glenn zeigen die hochfavorisierten Lions wie erwartet ihre Qualität und gehen mit einer positiven Bilanz (2-1) in den Oktober.
Dieser bietet die Chance, früh die Kontrolle über die NFC North zu übernehmen. Und das gelingt: Zunächst gewinnen die Lions nach einem umkämpften Spiel in Carolina und dann locker bei den Arizona Cardinals, bevor die Bye Week zur perfekten Gelegenheit wird, nach den beiden Road Games kleinere Baustellen zu korrigieren.
Perfektes Timing, denn danach folgt das richtungsweisende Divisionsspiel gegen Green Bay. Zuhause nutzt Detroit seine Vorteile und setzt sich in einer spannenden Partie dank Gibbs' ausgeruhten Beinen knapp durch.
Vor allem gegen die Packers zeigt sich dabei die neue Stabilität. Während die Lions 2025 mehrfach durch eigene Fehler stolperten, entscheiden sie diesmal enge Situationen konsequenter für sich. Mit einer Bilanz von 5-1 gehört Detroit Ende Oktober wieder zu den besten Teams der NFC.
Der November beginnt direkt mit einem weiteren Divisionskracher. Die Minnesota Vikings reisen nach Detroit und stellen die Lions erneut vor große Herausforderungen. Anders als 2025 behalten die Hausherren mit einer Menge Selbstvertrauen diesmal jedoch die Oberhand und revanchieren sich für die beiden Niederlagen aus der Vorsaison.
Eine Woche später wartet die Reise zu den Miami Dolphins. Nach dem radikalen Umbruch in Florida gehören die Dolphins zu diesem Zeitpunkt zu den formschwächsten Teams der NFL. Detroit nutzt die Partie, um Selbstvertrauen zu tanken und einige Leistungsträger gegen Ende des Spiels sogar etwas zu schonen.
Perfekte Voraussetzungen also für das Deutschlandspiel in München. In der Allianz Arena treffen die Lions auf die New England Patriots. Mit St. Brown besitzt Detroit den populärsten NFL-Spieler Deutschlands und dürfte deshalb mit einer ganz besonderen Vorfreude in der Heimspielstätte des FC Bayern München auflaufen.
Getragen von der Euphorie und inzwischen sechs Siegen in Serie setzen sich die Lions auch gegen das Team von Mike Vrabel durch. Doch direkt danach folgt der erste größere Rückschlag der Saison.
Die Reisestrapazen, die kurze Regenerationszeit und kleinere Verletzungssorgen machen sich bemerkbar. Zunächst unterliegen die Lions den Tampa Bay Buccaneers, ehe auch das Thanksgiving-Spiel gegen die Chicago Bears verloren geht. Plötzlich ist die Euphorie etwas gebremst. Statt als dominanter NFC-Spitzenreiter geht Detroit mit einer immer noch starken Bilanz von 8-3 in den Dezember.
Genau in solchen Momenten zeigt sich jedoch, warum viele Experten den Lions weiterhin zutrauen, zu den besten Teams der NFC zu gehören.
Auf die beiden Niederlagen folgt die passende Antwort. Zunächst besiegt Detroit die Atlanta Falcons, bei denen erneut Diskussionen um die Quarterback-Situation aufflammen. Eine Woche später werden auch die Tennessee Titans bezwungen.
Mit zehn Siegen im Rücken reisen die Lions anschließend nach Minnesota. Und wie so oft in den vergangenen Jahren wird das Auswärtsspiel gegen die Vikings zu einer unangenehmen Aufgabe. Minnesota befindet sich zu diesem Zeitpunkt in starker Form und nutzt den Heimvorteil zu einem wichtigen Sieg.
Detroit lässt sich davon allerdings nicht aus der Bahn werfen. Im letzten Spiel des Kalenderjahres gegen die New York Giants gelingt die erhoffte Reaktion. Vor heimischem Publikum feiern die Lions einen ungefährdeten Erfolg und gehen mit einer Bilanz von 11-4 in das neue Jahr.
Zum Auftakt des neuen Jahres revanchieren sich die Lions für die Thanksgiving-Niederlage gegen die Chicago Bears. Detroit nutzt dabei auch die schwierige Ausgangslage des Divisionsrivalen aus. Chicago kämpft sich durch den schwersten Spielplan der gesamten NFL und kann das hohe Niveau der ersten Saisonhälfte nicht über die gesamte Spielzeit halten.
Der Sieg gegen die Bears sichert den Lions bereits vor Week 18 den Titel in der NFC North. Während die Packers eine wechselhafte Saison hinter sich haben, die Vikings erneut mit Instabilität auf der Quarterback-Position und Nebengeräuschen außerhalb des Feldes kämpfen, setzt sich Detroit zum dritten Mal in vier Jahren an die Spitze der Division.
Damit verliert das Saisonfinale in Green Bay einen Teil seiner sportlichen Brisanz. Die Packers spielen vor heimischer Kulisse dennoch mit viel Motivation um ihren Playoff-Spot. Die Lions verlieren knapp im Lambeau Field und beenden die Regular Season mit einer Bilanz von 12-5.
Nach dem enttäuschenden Verpassen der Playoffs im Vorjahr gelingt Detroit die erhoffte Reaktion. Die Lions kehren als eines der Topteams der NFC in die Postseason zurück und bestätigen ihren Status als ernsthafter Super-Bowl-Kandidat.
Vor allem die Offense entwickelt sich wieder zu einer der gefährlichsten Einheiten der Liga. Gibbs profitiert von seiner größeren Rolle, spielt die beste Saison seiner Karriere und etabliert sich als einer der Favoriten auf die Auszeichnung zum Offensive Player of the Year.
Auch Jared Goff erlebt eine starke Saison. Hinter einer verbesserten O-Line und umgeben von Playmakern gehört er schließlich wieder zum engeren Kreis der MVP-Kandidaten.
Doch wichtiger als individuelle Auszeichnungen ist das große Ziel des Franchise aus Michigan. Nach Jahrzehnten voller Enttäuschungen soll 2026 endlich die Saison werden, in der Detroit erstmals in seiner Geschichte den Super Bowl erreicht. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls so gut wie lange nicht mehr.
mhh
